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C1 18 225

Kindesschutz

Wallis · 2018-12-10 · Deutsch VS

C1 18 225 C2 18 50 (unentgeltliche Rechtspflege X _________) C2 18 51 (Entschädigung Kindesvertreterin) C2 18 52 (unentgeltliche Rechtspflege Y _________) ENTSCHEID VOM 10. DEZEMBER 2018 Kantonsgericht Wallis I. Zivilrechtliche Abteilung Dr. Lionel Seeberger, Einzelrichter; Flurina Steiner, Gerichtsschreiberin in Sachen X _________, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt M _________, gegen Y _________, Beschwerdegegner, vertreten durch Rechtsanwalt N _________, und Z_________, vertreten durch die Kindesvertreterin Rechtsanwältin O_________ (Kindesschutz) Beschwerde gegen den Beschluss der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Bezirk A_________ [KESB A_________] vom 4. September 2018

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

170 RVJ / ZWR 2019 Zivilprozessrecht - Entschädigung der Kindesvertretung im Kindes- schutz- bzw. Beschwerdeverfahren - KGE (Einzelrichter der I. Zivil- rechtlichen Abteilung) vom 10. Dezember 2018, Kindsmutter A. c. Kindsvater B. und KESB Z. - TCV C1 18 225 Entschädigung der Vertretung des Kindes nach Art. 314abis ZGB

- Bei den Kosten der Kindesvertretung gemäss Art. 314abis ZGB handelt es sich analog zu Art. 299 f. ZPO um Gerichtskosten (Art. 95 Abs. 2 lit. e ZPO i.V.m. Art. 450f ZGB; E. 3.4.1).

- Als Teil der Verfahrenskosten hat grundsätzlich die unterliegende Partei für die Ent- schädigung der Kindesvertretung aufzukommen (Art. 450f ZGB i.V.m. Art. 95 Abs. 2 lit. e und Art. 106 Abs. 1 ZPO analog). Ist jedoch, namentlich wegen schwieriger finan- zieller Verhältnisse, zu erwarten, dass diese die Kindesvertretung nicht entschädigen werde, schiesst der Kanton diese Kosten vor, wobei er von der unterliegenden Partei die Rückerstattung verlangen kann (Art. 123 ZPO und Art. 96c Abs. 3 EGZGB analog; E. 3.4.2).

- Die gerichtlich festgesetzte Entschädigung ist verbindlich; die Kindesvertretung ist nicht berechtigt, einen zusätzlichen Betrag vom Kind oder den Parteien (Eltern) ein- zufordern (E. 3.4.3). Rémunération de la représentation de l’enfant selon l’art. 314abis CC

- Les coûts de représentation de l’enfant selon l’art. 314abis CC sont des frais judiciaires, de manière analogue à ce qui est prévu dans le cadre des art. 299 s. CPC (art. 95 al. 2 let. e CPC en lien avec art. 450f CC ; consid. 3.4.1).

- La partie qui succombe doit prendre en charge les frais de représentation de l’enfant qui font partie des frais judiciaires (art. 450f CC en lien avec art. 95 al. 2 let. e et 106 al. 1 CPC par analogie). Si toutefois, notamment en raison d’une situation financière difficile, il faut s’attendre à ce que cette partie ne s’acquitte pas desdits frais de repré- sentation, le canton les avance, puis peut lui en réclamer le remboursement (art. 123 CPC et art. 96c al. 3 LACC par analogie ; consid. 3.4.2).

- La rémunération fixée judiciairement est contraignante ; la représentation de l’enfant n’est pas autorisée à réclamer un montant supplémentaire à l’enfant ou aux parties (parents) (consid. 3.4.3).

Aus den Erwägungen

3.4.1 Die Ernennung einer Kindesvertretung in Verfahren vor der Kindesschutzbehörde erfolgt gestützt auf Art. 314abis ZGB. Das Kind ist im Rahmen von Entscheiden der Kindesschutzbehörde immer auch am Verfahren beteiligte Person und nicht nur Verfahrensobjekt (Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB; Bundesgerichtsurteile 5A_618/2016 vom 26. Juni

RVJ / ZWR 2019 171 2017 E. 1.2, 5A_400/2015 vom 25. Februar 2016 E. 2.3). Die Kosten- regelung richtet sich nach dem kantonalen Recht und subsidiär nach der ZPO (Art. 450f ZGB; Bundesgerichtsurteil 5A_855/2015 vom 3. Mai 2016 E. 4 mit Hinweis auf BGE 140 III 385 E. 2.3; Cottier, in: Büchler/ Jakob [Hrsg.], Kurzkommentar zum ZGB, 2. A., Basel 2018, N. 15 zu Art. 314abis ZGB; Fountoulakis/Affolter-Fringeli/Biderbost/Steck, Kindes- und Erwachsenenschutzrecht, Expertenwissen für die Praxis, Zürich/ Basel/Genf 2016, N. 18.179; Leuthold/Schweighauser, Beistandschaft und Kindesvertretung, ZKE 6/2016, S. 480). Im Kanton Wallis enthält Art. 96c EGZGB Vorgaben zur Entschädigung der Kindesvertretung im Sinne von Art. 299 ZPO, welche Bestimmung im Rahmen des Kindesschutzverfahrens und der Vertretung nach Art. 314abis ZGB sinngemäss anwendbar ist (Art. 450f i.V.m. Art. 95 Abs. 2 lit. e ZPO und Art. 96c EGZGB analog). Dementsprechend ent- scheidet das Gericht über die Auferlegung der Kosten. Im Falle der Zahlungsunfähigkeit des Schuldners leistet die Staatskasse den Vor- schuss der Kosten und sorgt für deren Inkasso (Art. 96c Abs. 3 EGZGB). Weitergehende Ausführungsvorschriften zur Auferlegung der Kosten für die Kindesvertretung nach Art. 314abis ZGB sind im kan- tonalen Recht nicht enthalten, weshalb diesbezüglich sinngemäss die ZPO anwendbar ist. Analog zu Art. 299 f. ZPO sind die Kosten der Kindesvertretung demnach Verfahrenskosten (Art. 95 Abs. 2 lit. e ZPO i.V.m. Art. 450f ZGB; Affolter-Fringeli/Vogel, Basler Kommentar, N. 54 zu Art. 314abis ZGB; Fountoulakis/Affolter-Fringeli/Biderbost/Steck, a.a.O., N. 18.179). 3.4.2 Vorliegend hat die KESB Z. mit Beschluss vom 18. September 2018 Rechtsanwältin X. zur Kindesvertretung von Y. bestimmt. Die Ernennung erfolgte gestützt auf Art. 314abis ZGB. Nach dem Vorer- wähnten bildet die Entschädigung für die Kindesvertretung Teil der Ver- fahrenskosten und ist entsprechend dem Verfahrensausgang grund- sätzlich der unterliegenden Partei aufzuerlegen (Art. 450f ZGB i.V.m. Art. 95 Abs. 2 lit. e und Art. 106 Abs. 1 ZPO analog). Hingegen erscheint es nicht gerechtfertigt, das Risiko für die Uneinbringlichkeit der Entschädigung der Kindesvertreterin zu übertragen. Im Rahmen von Art. 299 ZPO und Art. 314abis ZGB steht die Kindesvertretung regel- mässig in einem ähnlichen Verhältnis zu den Behörden und dem vertretenen Kind wie der amtliche Verteidiger im Strafprozess zum Gericht und dem Beschuldigten (vgl. Leuthold/Schweighauser, a.a.O.,

172 RVJ / ZWR 2019 S. 480; Affolter, in: Rosch/Wider [Hrsg.], Zwischen Schutz und Selbst- bestimmung - Festschrift für Professor Christoph Häfeli zum 70. Geburtstag, Kindesvertretung im behördlichen Kindesschutzverfahren, Bern 2013, S. 212; Affolter-Fringeli/Vogel, a.a.O., N. 57 zu Art. 314abis ZGB). Gerade wenn sich die unterliegende Partei in schwierigen finan- ziellen Verhältnissen befindet oder aus anderen Gründen zu erwarten ist, dass sie die Kindesvertretung nicht entschädigen wird, erscheint es angemessen, die Kosten vorab durch den Kanton vorzuschiessen, welcher vom Schuldner die Rückerstattung verlangen kann. Dies legt auch Art. 96c Abs. 3 EGZGB nahe, der sinngemäss anwendbar ist. Sowohl Kindsmutter und Kindsvater obsiegen bzw. unterliegen teil- weise. (…) Entsprechend diesem Verfahrensausgang sind die Verfah- renskosten zu je ½ jedem Elternteil aufzuerlegen (Art. 450f ZGB i.V.m. Art. 106 Abs. 1 ZPO). Beiden Elternteilen wird die unentgeltliche Rechtspflege gewährt. Es besteht ein erhebliches Risiko, dass die Kin- desvertretung ihre Entschädigung bei den Eltern nicht leicht erhältlich machen können wird. Daher ist die Entschädigung der Kindesvertre- tung vorab vom Staat Wallis zu leisten, mit einer Nach- bzw. Rück- zahlungspflicht der Eltern, sobald sie dazu in der Lage sind (Art. 123 ZPO und Art. 96c Abs. 3 EGZGB analog). 3.4.3 Bei einer anwaltlichen Kindsvertretung erfolgt die Entschädigung regelmässig nach den Ansätzen für anwaltliche Parteivertretungen. Kantonales Recht und kantonale Praxis greifen für die Entschädigung der Kindesvertretung häufig auf den Tarif bei unentgeltlicher Prozess- führung zurück (BGE 142 III 153 E. 5.3.4.2; Fountoulakis/ Affolter- Fringeli/Biderbost/Steck, a.a.O., N. 18.181). Im Interesse einer sach- gerechten und wirksamen Vertretung des Kindeswohls ist der effektive Zeitaufwand Bemessungsgrundlage für die Entschädigung, soweit er den Umständen angemessen erscheint (BGE 142 III 153 E. 2.5; Bundesgerichtsurteil 5A_8/2017 vom 25. April 2017 E. 2.3). Es sind nur die erforderlichen Aufwendungen zu entschädigen, wobei den erschwerenden Rahmenbedingungen von Gesprächen mit Kindern Rechnung zu tragen ist (BGE 142 III 153 E. 6.2). Die festgesetzte Entschädigung ist verbindlich; die Vertretung ist nicht berechtigt, einen durch die festgesetzte Entschädigung nicht gedeckten Betrag vom Kind einzufordern. Die Differenz kann auch den Parteien nicht in Rechnung gestellt werden, da es sich bei der Entschädigung um einen Teil der Gerichtskosten und nicht um Parteikosten handelt (Art. 95 Abs. 2 lit. e

RVJ / ZWR 2019 173 ZPO analog; BGE 142 III 153 E 2.4; Bundesgerichtsurteil 5A_168/2012 vom 26. Juni 2012 E. 4.2). Die Entschädigung der Kinderanwältin bemisst sich im gesetzlich vorgegebenen Rahmentarif nach der Natur und Bedeutung des Falls, der Schwierigkeit, dem Umfang, der vom Rechtsbeistand nützlich aufgewendeten Zeit und der finanziellen Situation der Partei (Art. 27 Abs. 1 und 3 GTar) und beträgt unter Berücksichtigung eines Reduk- tions-Koeffizienten von 60 % für das Beschwerdeverfahren im Kindes- und Erwachsenschutzrecht vor Kantonsgericht im Prinzip minimal Fr. 440.- und maximal Fr. 4 400.- (Art. 34 Abs. 1 i.V.m. Art. 35 Abs. 1 lit. b GTar). Im Beschwerdeverfahren hat die Kindesvertreterin eine Kostennote (Fr. 1 440.60 inkl. Auslagen und MwSt.; Stundenansatz von Fr. 200.- ohne MwSt.) hinterlegt. Sie hat ein Gespräch mit Y. und dem Kindsvater geführt sowie eine mehrseitige Stellungnahme hinterlegt. Unter Berücksichtigung der vorgenannten Kriterien erachtet das Kantonsge- richt für das Beschwerdeverfahren eine Parteientschädigung von Fr. 1 400.- (MwSt. und Auslagen inklusive) als angemessen. Diese wird wie erwähnt derzeit durch den Staat Wallis getragen, unter Vorbehalt einer Nach- und Rückzahlungspflicht zu je der Hälfte durch die Eltern.